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Was ist Gruppendynamik?

„Die Gruppe ist mehr als die Summe ihrer Teile“ – so wird die gruppendynamische Perspektive oft gekennzeichnet. Was unter dem „mehr“ verstanden werden kann, wie es zu beobachten, zu benennen und zu handhaben ist, damit setzt sich Gruppendynamik auseinander.


Eine Gruppe wird als autonomes Sozialsystem verstanden, das – wie andere soziale Systeme auch – nicht direkt von außern steuerbar ist. Niemand kann eindeutig vorhersagen, wie ein bestimmter Einfluss von außen wirken und wie die Gruppe darauf reagieren wird. Die Gruppe schafft sich ihre unverwechselbaren Binnenstrukturen und Ordnungen, die durch ständig ablaufende wechselseitige Abstimmungsprozesse stabilisiert und wieder verändert werden.
Derartigen Rückkoppelungsprozessen verdanken Gruppen ihre Entwicklungsmöglichkeiten und ihr Eigenleben.


Der Begriff „Gruppendynamik“ bezieht sich auf vier Bedeutungen:

  1. auf das Geschehen in Gruppen und das Spiel der in ihnen wirksamen Kräfte;
  2. auf die wissenschaftsorientierte Erforschung solcher Prozesse;
  3. auf eine besondere Form des sozialen Lernens und der Qualifizierung für den Umgang mit Gruppen und Gruppenprozessen;
  4. auf die Anwendung des gruppendynamischen „Wissens“ auf Gruppen und Gruppenprozesse in den unterschiedlichsten Feldern und Situationen.

 

Der Kontext
In Zukunft werden stabile Strukturen - wie dauerhafte Zugehörigkeit zu einem Arbeitsteam ein Arbeitsleben lang – immer seltener den Rahmen für das Verhalten von Personen in Organisationen bilden. Damit gewinnen flexible Systeme wechselnder Bezugsgruppen immer mehr Bedeutung. Unabhängig davon, ob diese Entwicklung von „Gruppe zu Gruppe“ oder Netzwerkbildung für „gut“ oder „schlecht“ gehalten wird, entsteht für alle davon betroffenen Personen die Notwendigkeit, zu lernen, wie sie sich in diesen neuen Rahmenbedingungen und Strukturen verhalten können. Sie brauchen einen sozialen und experimentellen Raum, in dem sie diese lustvolle und anstrengende Freiheit erfahren, relevante Einflüsse erkennen, Neues entdecken und notwendige Fähigkeiten entwickeln können. Diesen Raum kann die Gruppendynamik als besondere Form des sozialen Lernens schaffen.


Die Lernidee des gruppendynamischen Trainings
Das gruppendynamische Training, seine Ziele und sein Design ermöglichen den teilnehmenden Personen einen stabilen Rahmen, der dem entstehenden Prozess genügend Raum gibt, sich zu entfalten. Selbststeuerung ist eine zentrale Kategorie im Training, erfahrbar zwischen Selbstverantwortung und Vorgabe der Trainer/innen. Durch Arbeit im Hier-und-Jetzt, Feedback und Reflexion werden Dimensionen wie bspw. Zugehörigkeit, Macht, Einfluss, Kooperation erfahrbar und gestaltbar.
Das Training wendet sich bewußt der Entwicklung von wirksamen Binnenstrukturen in und zwischen Gruppen zu. Beziehungen werden gestaltet und durch Kontextbezüge erweitert. Diese Form des Lernens und Erlebens schafft persönliche Orientierung und Anregungen für die Kooperation in und zwischen sozialen Systemen.